Gedichte sind nicht allein für die stille Kammer. Liebhaber wie Kenner schätzen deren öffentlichen Vortrag und suchen deshalb bewusst den Kontakt zum jeweils auftretenden Autor. Wieder deutlich machte dies die am vergangenen Freitag vom Literaturzentrum Vorpommern und der hiesigen Literaturzeitschrift „Wiecker Bote“ im Koeppenhaus ausgerichtete zweisprachige Lyriknacht. „Sie erleben wichtige Vertreter der zeitgenössischen Szene“ begrüßte Anett Hauswald das erwartungsvolle Publikum. Nicht ohne Grund. Uljana Wolf, Christian Hawkey und Steffen Popp gastierten nicht als Debütanten in der Universitäts- und Hansestadt, sondern konnten bereits einige Anerkennung ihres  bisherigen Schaffens vorweisen. Allein deren Verse ließen die Zuhörer als Maßstab gelten. Steffen Popp eröffnete als gebürtiger Greifswalder. „Es ist schön, in der eigenen Stadt nach 30 Jahren zu lesen“, sagte er beim kurzen Zurechtlegen der Blätter in das Mikrofon. Neben einer Auswahl aus den bereits erschienen Bänden „Wie Alpen“ und „Kolonie zur Sonne“ nutzte er das Podium für neueste Produktionen.

Viel stärker wagte sich damit Uljana Wolf hervor. Bestach Steffen Pop mit einer feingliedrigen und zugleich griffigen Bildersprache, so stellte die bisher jüngste Peter-Huchel-Preisträgerin von 2006 ihr Verständnis von Lyrik als Zyklus vor. Klar wurde dies bei „Aufwachraum“ und zwei Gesängen auf die Hunde des in Schlesien gelegenen Ortes Kreisau. Selbst der Einblick in ihr jüngstes, erst im kommenden Jahr herauskommendes Lyrikalphabet mit sprachlichem Augenzwinkern im Deutschen und Englischem bewies dies.  Uljana Wolf verschrieb sich ganz den empfindsamen Variationen eines in Versen gestalteten Themas.

Einen ganz feinsinnigen Ton schlug der derzeit als Stipendiat in Berlin weilende US-Amerikaner Stephen Hawkey an. Dies nicht allein. Zusammen mit seinen Vorrednern bildete er ein äußerst anregendes Lesetrio. Kein Wunder. Selten finden sich drei Lyriker in Wertschätzung füreinander zusammen und stellen sich in den Dienst der Sprache für einen Kollegen. Uljana Wolf und Steffen Popp arbeiteten für Hawkeys deutschsprachigen Gedichtband „Reise in Ziegengeschwindigkeit“ zusammen. Mit einschlägigem Erfolg beim abendlichen Hörtest. Unter einem kleinen Blitzlichtgewitter von Bewunderern begann der sich in respektvoller Zurückhaltung übende Christian Hawkey seinen Vortrag und erntete zusammen mit seinen Übersetzern nicht allein Applaus für das gelungene Unternehmen von allen Anwesenden. Das Bedürfnis nach weiteren gelesenen Versen blieb nicht lange im Raum stehen.