Die Besetzung zog an. Gut siebzig Zuhörer wohnten am vergangenen Mittwochabend dem vierten Konzert des Greifswalder Orgelsommers bei. Ein spannendes Programm boten der Hornist Steffen Launer und Franns von Promnitzau in der Marienkirche dar.Ausgehend vom 20. Jahrhundert mit Günther Marks (1897 – 1978) Choralpartita „Jesu, meine Freude“ spannte das seit 1996 zusammen auftretende Duo einen klanglichen Bogen zurück in die Klassik und Barockzeit, um am Ende mit Eugene Bozzas Variationen über das Lied „En Irlande“ zu enden. Im Zentrum der musikgeschichtlichen Reise stand die herrliche Sonata a bemollig des böhmischen Komponisten P. J. Vejvanovski (1640 – 1693). Als Hervorhebung des programmatischen Wendepunktes wählte Franns von Promnitzau eine der drei Gnossienne mit arabisierender Melodik, die der französische Komponist Erik Alfred Leslie Satie (1866 – 1925) dank der klanglichen Anregungen durch die Pariser Weltausstellung von 1889 schrieb.
Neben Johann Sebastian Bachs (1685 – 1750) Fantasia in G-Dur, Wolfgang Amadeus Mozarts (1756 – 1791) „Solfeggio“ und Georg Philipp Telemanns (1681 – 1767) Fantasia in G würdigten die Gastierenden mal solo, mal zusammen allein Johann A. Naumann (1741 – 1801) mit dessen empfindsamen Sonaten in B- und A-Dur gleich zweimal. Naumann galt im damaligen Europa als eine angesehene musikalische Größe, die im Laufe des 19. Jahrhunderts in Vergessenheit geriet. Und dies trotz reichhaltiger Kammermusik und insgesamt 25 Opern. Unter Letzteren findet sich die schwedische Nationaloper „Gustav Vasa“. Dank fast haargenauer Lebensläufe setzte sich Franns von Promnitzau für die Wiederentdeckung des ehemaligen Kreuzschülers von Rang seit den neunziger Jahren ein.
Zügig verging die gut einstündige Mußestunde. Die Anwesenden dankten nicht allein mit ausgiebigem Applaus für eine angenehm warmtonig gestimmtes Orgelspiel und einen nachhallenden Hornton im gut tragenden Kirchenschiff von St. Marien. Ein Konzertbesucher kam mit dem Organisten über Naumann im Nachhinein auf der Orgelempore ins Schwärmen. Denn der mit seinem Segler in Greifswald angelangte Tourist kannte Naumann als Komponisten bereits aus dem Spiel mit seinem eigenen Instrumental-Terzett.
